Startseite Zurück zum Leserbrief
in COLOR FOTO 2/93
Nur ein Bild!
Die Mailadresse bei Bedarf bitte abtippen. Die Fisheye-Abbildung
Beilage zur Antwort auf die Zuschriften

Meinungen

Allgemein interessierende Fragen zu dem damaligen Leserbrief und aus eingegangener e-Mail möchte ich hier beantworten.

 

Eierlegende Wollmilchsau

Aus Zuschrift aufgrund des Leserbriefes, 1993

Erich:
Ich besitze (noch) kein Fisheye-Objektiv, ich habe mich auch noch nicht mit den physikalischen Gegebenheiten befasst, bin jedoch dazu angeregt worden.
Es geht mir folgendes durch den Kopf:
  1. Es gibt mittlerweile Zoomobjektive, die vom Superweitwinkel bis in den mittleren Weitwinkelbereich hineinreichen.
  2. Es gibt Objektive mit Perspektivkorrektur (Shiftobjektive).
  3. Es gibt Objektive mit verschwenkbaren Linsensätzen (Tiltobjektive, immer kombiniert mit 2. wie bei Canon TS).
  4. Es gibt Objektive mit variabler Bildfeldwölbung (als alleinige Verstellbarkeit wie bei Minolta VFC 2,8/24 oder kombiniert mit 2. wie bei Minolta Shift CA 2,8/35).
  5. Es gibt Objektive mit variablem Kontrast (Weichzeichner), allerdings bisher nur im kleinem Telebereich.
  6. Es gibt Objektive mit erweiterter Naheinstellung (Makroobjektive).
Alle diese Konstruktionen haben zweierlei gemeinsam:
Sie lassen sich in Nullstellung als ganz normale Objektive verwenden und sie werden verstellt durch Verschieben einzelner Linsengruppen zueinander, bzw. durch Verschieben oder/und Verschwenken der optischen Achse.
Gibt es eine Möglichkeit, alle diese Eigenschaften in einem Universalobjektiv zu vereinen, das vom Fisheye über den verzeichniskorrigierten Superweitwinkelbereich bis zum Normalbereich reicht, sowie in den Makrobereich hinein (vielleicht bis 1:2) und außerdem verschiebbar und verschwenkbar ist, eine krümmbare Schärfenebene hat, möglichst mit einer Anfangsöffnung von mind. 1:2,8 - dazu noch einigermaßen kompakt und preiswert?
Das eierlegende und honigsammelnde Wollmilchschwein sozusagen.
Wahrscheinlich hätte allerdings ein solches Objektiv, sofern es realisierbar wäre, die Größe und das Gewicht einer (vollen) Campagnerflasche, eine Frontlinse mit dem halben Durchmesser einer Waschmaschinentür und wäre nur durch einen Lottogewinn oder geerbtes Bauland bezahlbar. Ein Objektiv zum Immerdabeihaben dürfte es also nicht werden. Falls es etwas kompakter geht und mit zwei Monatsgehältern bezahlbar ist, könnte es  d a s  Universalobjektiv für "weitwinkellastige" Fotografen werden.
Halten Sie eine solche Konstruktion für technisch machbar?

Peter :
Eine mögliche Antwort:       *)
Leider habe ich keine Kenntnisse in Optikkonstruktion und -berechnung. Die Abbildungsarten im Superweitwinkelbereich habe ich rein mathematisch untersucht. In meinem Leserbrief dachte ich nur an ein etwas anderes, besseres Fischauge ohne Verstellmöglichkeit. Jedoch ist eine kontinuierliche Verstellung vom "normalen" Fisheye-Typ über den "optimalen" Fisheyetyp bis zum verzeichnungsfreien Superweitwinkel auch eine gute Idee. Und ich könnte mir vorstellen, dass sie realisierbar ist, wenn man auf Zoom und Makro und Shift und sonstige Extras verzichtet. (Aber vielleicht nicht bezahlbar.)

Anmerkung im Jahr 2000:
Wenn man das Bild in eine Datei einliest, ist sowohl eine Abbildungstyp-Umwandlung (Super-WW / Fotografen-Fisheye / Fisheye), als auch Shift (stürzende Linien parallel stellen) und Zoom (Ausschnittsvergrößerung) per Software möglich.

 

Auffallen oder keine Ahnung

Aus Zuschrift aufgrund des Leserbriefes, 1993

Hans:
Fisheye war für mich bis jetzt kein Thema. Ich halte diese Sehweise in den meisten Fällen für nicht brauchbar. In letzter Zeit wurde schon häufiger mit stürzenden Linien in der Tagesberichterstattung gearbeitet. Vielleicht gewöhnt man sich einmal daran. Dann könnte natürlich auch einmal die Zeit kommen, wo Fisheyes besser akzeptiert werden. Ich kann mir jedenfalls eine abweichende Abbildung, als sie bis jetzt in der Physik und damit in der fotografischen Praxis gegen ist, nicht vorstellen.
Die bis jetzt bekannten WW- und Super-WW-Objektive, aber auch lange Tüten werden doch oft gerade wegen ihrer überhöhten Darstellung des Vordergrundes oder des Größenvergleiches eingesetzt. Es spielen die einzelnen Objektivtypen doch ihre Möglichkeiten nicht nur wegen des Abbildungsmaßstabes und des damit verbundenen Abstandes aus, sondern weil die Perspektive dadurch vom Fotografen oft bewusst und entscheidend beeinflusst wird.
Ob nun dieses "Fotografen-Fisheye" von jedem Fotografen bevorzugt würde, wage ich zu bezweifeln. Es ist eine zu ausgefallende Sache, als dass sie ein komerzieller Erfolg werden könnte. Das ist bei den derzeit zur Verfügung stehenden Fisheyes nicht so, weil die meines Wissens für die Wissenschaft entwickelt wurden und uns Fotografen nur als Abfallprodukt zur Verfügung stehen.
Das beste Objektiv ist noch immer das Normalobjektiv und wer Gruppen oder Menschen mit Super-WW oder Fisheye fotografiert, will damit entweder auffallen oder versteht nichts vom Fotografieren.

Peter :
Eine mögliche Antwort:       *)

Anmerkung im Jahr 2000:
Bei elektronischer Bildverarbeitung ist ein normales Diagonal-Fisheye ausreichend und und zudem billiger, als ein Super-WW. Ein Super-WW- oder auch ein Fotografen-Fisheye-Bild lässt sich durch geeignete Software aus dem Ausgangsbild berechnen. (Ein Super-WW-Bild reicht nicht ganz für die Umrechnung zu einem 180°-Diagonal-Fisheye-Bild.)
Anmerkung im Jahr 2001:
Mit Panorama-Tools von Dersch können unter anderem auch Fisheye-zu-WW-Umrechnungen durchgeführt werden. Aber eine Funktion zur Umrechnung in das Fotografen-Fisheye ist nicht dabei.
Bei der Umrechnung eines Fisheyebildes zum Supper-WW-Bildes tritt folgendes Problem auf: Die Randbereiche werden stark gedehnt und damit auch die Abbildungsfehler sekundäres Farbspektrum und Unschärfe vergrößert. Objektive werden nur so genau korrigiert, wie nötig und nicht für eventuelle Bildumrechnungen. Panorama-Tools kann auch Farbfehler korrigieren. Die Unschärfe bleibt vertretbar, solange reale Supper-WW-Objektive nachgebildet werden.
(Panorama-Tools -Link: siehe Startseite)

 

*)       "Eine mögliche Antwort"   bedeutet, dass die damals gegebene Antwort nicht mehr bekannt ist, und aus heutiger Sicht für diese Seite eine neue Antwort erarbeitet wurde.
Startseite    Seitenanfang Zurück zum Leserbrief
in COLOR FOTO 2/93
Nur ein Bild!
Die Mailadresse bei Bedarf bitte abtippen. Die Fisheye-Abbildung
Beilage zur Antwort auf die Zuschriften