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Die Fisheye-Abbildung
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  Die Wirkung des 15-mm-Objektivs kommt hier kaum zur Geltung, da keine geraden Linien vorhanden sind, deren Durchbiegung den Objektivtyp verraten würde Die Wirkung des 15-mm-Objektivs kommt hier kaum zur Geltung, da keine geraden Linien vorhanden sind, deren Durchbiegung den Objektivtyp verraten würde
COLOR FOTO-Mitarbeiter Herbert Kaspar

Fisheye-Objektive

So sieht der Fisch

Artikel aus dem COLOR FOTO 8/92 - SPEZIAL "WEITWINKELOBJEKTIVE"

Die Bilder stammen aus dem Artikel.

Die Objektive mit einem Bildwinkel von 180° regen die bildgestalterische Fantasie an.
Ein solches Objektiv erfasst alles, was vor der Frontlinse liegt, verführt zum Spiel mit der Verzerrung und hat eine enorm große Schärfenzone. Doch man muss das Fischauge richtig einzusetzen wissen - hier einige Tipps.

Die ersten Objektive mit einem Bildwinkel von 180° nach allen Seiten waren nicht für die Kameras von Hobbyfotografen bestimmt, und auch unter den Profis waren es nur die Wissenschaftsfotografen, die solche Optik einsetzten: Sie fotografierten damit Experimente in sehr engen Räumen oder aber den Sternenhimmel. Dabei ist es zur Freude vieler Fotofans nicht geblieben; heute stehen für normale Kleinbild-SLR-Systemkameras immerhin 15 Fisheye-Objektive zur Wahl. Ausgewählt werden kann nicht nur zwischen den Objektiven verschiedener Hersteller, sondern auch zwischen verschiedenen Fischaugen-Typen.
  Die Abbildung eines kreisförmig zeichnenden Fisheye-Objektivs fällt durch die dunkle Bildumrandung auf, auch wenn der Horizont gerade durch die Bildmitte verläuft Die Abbildung eines kreisförmig zeichnenden Fisheye-Objektivs fällt durch die dunkle Bildumrandung auf, auch wenn der Horizont gerade durch die Bildmitte verläuft
Da sind zum einen die kreisförmig zeichnenden Fischaugen, deren Bilder am nachhaltigsten die Meinung über solche Objektive beeinflusst haben. Der Bildwinkel von 180° gilt hier nach allen Seiten, das heißt alles, was sich vor der Frontlinsenfassung des Objektivs befindet, erscheint auf dem Film. In einem Sonderfall sogar noch mehr: Das 6-mm-Objektiv von Nikon übertrifft die Bildwinkel normaler Fisheyes noch um 40°. Das pilzartige Monstrum, hinter dem sich sogar eine Nikon F4 recht bescheiden ausnimmt, erfasst tatsächlich Dinge, die sich hinter der Frontfassung befinden.
Kreisförmig zeichnende Fischaugen nutzen das Kleinbildformat nur teilweise aus. Das eigentliche Bild füllt eine Kreisfläche von etwa 23 mm Durchmesser, die Umgebung ist schwarz. Ein Vorteil des kreisförmig zeichnenden Fisheye-Objektivs: Das Bild erregt bereits durch die bloße Form Aufmerksamkeit.
Anders verhält es sich bei den formatfüllenden Fisheye-Objektiven. Sie weisen den extremen Bildwinkel von 180° nur über die Diagonale auf. Es wird also von einem Kreisbild mit 180° Bildwinkel nach allen Seiten nur ein Rechteck für die Aufnahme genutzt. Vortei des formatfüllenden Fischauges: Das Bild passt besser in Diaserien und kann wegen der rechteckigen Form besser ins Layout von Zeitschriften, Anzeigen und Katalogen eingepasst werden.

  Verzeichnung als Bildelement: Bei den Fisheye-Objektiven ist die tonnenförmige Verzeichnung nicht auskorrigiert. Ein Effekt, der sich gestalterisch nutzen lässt Verzeichnung als Bildelement: Bei den Fisheye-Objektiven ist die tonnenförmige Verzeichnung nicht auskorrigiert. Ein Effekt, der sich gestalterisch nutzen lässt

Ja zur tonnenförmigen Verzeichnung

Beiden Fischaugen-Typen eigen ist die merkwürdige Art der Abbildung: Alle Linien, die nicht durch die Bildmitte verlaufen, werden zum Rand hin deutlich durchgebogen. Mit anderen Worten: Die tonnenförmige Verzeichnung ist hier nicht auskorrigiert. Dieser Effekt lässt sich in verschiedener Weise nutzen.
Richtet man die Kamera waagerecht aus, sind nur Linien außerhalb der Bildmitte betroffen. Finden sich keine solchen Linien im Bild (etwa in der Landschaftsfotografie, wenn der Horizont durch die Bildmitte verläuft), lassen sich bei Vollformat-Fisheyes der große Bildwinkel und die enorme Ausdehnung der Schärfenzone nutzen, ohne dass das Bild sofort den Rückschluss auf das Fischauge zulässt. Legt man den Horizont dagegen in die untere Bildhälfte, wird er schalenförmig durchgebogen, während er sich in der oberen Bildhälfte nach oben wölbt und einen Teil der Weltkugel zu bilden scheint.
  Das Sigma-Fisheye 2,8/15 mm mit einem Bildwinkel von 180 Grad zeichnet sich durch eine gute optische Leistung bei erschwinglichem Preis aus Das Sigma-Fisheye 2,8/15 mm mit einem Bildwinkel von 180 Grad zeichnet sich durch eine gute optische Leistung bei erschwinglichem Preis aus
Mit der unkorrigierten tonnenförmigen Verzeichnung geht eine extrem große Schärfenausdehnung einher. Manche kreisförmig zeichnenden Fischaugen sind daher nicht auf das Fokussieren ausgelegt. Eine Schäfenzone, die sich etwa von 40 cm bis unendlich erstreckt, reicht für scharfe Bilder aus.

Problempunkt Belichtungsmessung

Wenn die Kamera mit Integralmessung arbeitet, beeinflusst das dunkle Umfeld eines kreisförmig zeichnenden Fischauges die Belichtungsmessung und führt zu einer reichlicheren Belichtung als nötig. Auch eine Mehrfeldmessung kann nicht erkennen, dass der dunkle Bildrand den Rahmen um ein kleines, rundes Fischaugen-Bild darstellt und wird entsprechend falsch reagieren.
Ist die Kamera damit ausgestattet, schaltet man auf Spotmessung um, die bei angesetzten Fisheye einen so großen Teil des Motivs in der Bildmitte erfasst, dass von Spotmessung im eigentlichen Sinn nicht die Rede sein kann. (Natürlich wird das Messfeld nicht größer, wohl aber der Messwinkel.)
  Von der Brennweite her ist ein 14-mm-Objektiv noch "unterhalb" vieler Fischaugen angesiedelt. Im Unterschied dazu stürzen die Linien hier zwar, werden aber nicht gebogen Von der Brennweite her ist ein 14-mm-Objektiv noch "unterhalb" vieler Fischaugen angesiedelt. Im Unterschied dazu stürzen die Linien hier zwar, werden aber nicht gebogen
Muss man ohne Spotmessung auskommen, empfiehlt sich die Belichtungsmessung mit einem Weitwinkel- oder Normalobjektiv vor der Aufnahme mit dem Fischauge. Verschlusszeit und Blende werden manuell eingestellt. Bei dieser Messmethode ist es kein Problem, wenn ein Nachführzeiger oder auch schwarze Ziffern im Sucherbild vom schwarzen Rand geschluckt werden.
Nicht nur das dunkle Umfeld eines kreisförmig zeichnenden Fischauges macht die Belichtungsmessung problematisch - auch der große Bildwinkel trägt dazu bei, denn nur allzu leicht kommt zuviel heller Himmel ins Bild, so dass die Landschaft darunter auf dem Foto zu dunkel erscheint. Umgekehrt können auch große dunkle Flächen - Wald in der Landschaft, die schattige Seite einer Altstadtgasse - ins Bild kommen; die Folge ist, dass der Himmel darüber und die hellen Motivteile auf dem Bild zu hell wiedergegeben werden.

Konzentration aufs Sucherbild

Die genaue Prüfung des Sucherbildes auf solche Belichtungsfallen hin ist also von besonderer Wichtigkeit. Wenn man schon dabei ist, das Sucherbild genauer zu betrachten, sollte man auch gleich den Bildaufbau kontrollieren. Ist der Vordergrund zu leer, hilft vielleicht schon ein Schritt zur Seite, um ein Blumenbeet, eine Pflastermalerei oder einen Strauch zu erfassen. Wirkt das Motiv nicht doch zu klein? Besonders sehr große Motive reizen zwar dazu, sie mit dem Fischauge in ein Bild zu pressen; sie verlieren dabei aber durch die drastische Verkleinerung oft von ihrer monumentalen Wirkung - es sei denn, man kann sehr nah an das Objekt herangehen.
  Das Minolta-Fisheye 2,8/16 mm zeichnet formatfüllend. Vorteil: Die Bildergebnisse sind vielfältiger nutzbar, zum Beispiel für die Diaschau Das Minolta-Fisheye 2,8/16 mm zeichnet formatfüllend. Vorteil: Die Bildergebnisse sind vielfältiger nutzbar, zum Beispiel für die Diaschau
Häufig ist es jedoch ratsamer, ein Objektiv vom entgegengesetzten Teil des Brennweitenspektrums einzusetzen und das große Objekt aus einiger Entfernung, das heißt mit größerem Aufnahmeabstand, mit einem Tele formatfüllend aufzunehmen.
  Das Canon-Fisheye 5,6/7,5 mm gehört zu den kreisförmig zeichnenden Fischaugen. Vorteil: Das Bild erregt allein durch die Form Aufmerksamkeit Das Canon-Fisheye 5,6/7,5 mm gehört zu den kreisförmig zeichnenden Fischaugen. Vorteil: Das Bild erregt allein durch die Form Aufmerksamkeit
Ist die Sonne im Bild? Das ist kein Fehler, den es zu vermeiden gilt - im Gegenteil. Der nur ungefähr stecknadelkopfgroße Punkt der Sonne kann - besonders, wenn er durch eine kleine Blendenöffnung zum "Strahlen" gebracht wird - die Bildwirkung positiv beeinflussen. Allerdings ist es in diesem Fall besonders wichtig, sich über die Belichtung Gedanken zu machen. So lässt eine knappe Belichtung die Sonne vor einem sattblauen Himmel leuchten, während die Landschaft relativ dunkel bleibt. Den Kontrast durch ein Verlauffilter auszugleichen, ist in diesem Fall nicht möglich. Filter vor die Frontlinse zu bringen, ist nicht sinnvoll, die Fassung würde den Bildrand abschatten. Filter sind bei diesen Objektiven bereits eingebaut, und zwar in sogenannten Filter-Revolvern. Dreht man am entsprechenden Einstellring, wird ein kleiner Filter im Objektiv in den Strahlengang geschwenkt. Meist handelt es sich um Gelb-, Orange- und Rotfilter für Schwarzweißaufnahmen bzw. ein Skylightfilter für Farbaufnahmen.

Fazit

Gehört ein Fischaugenobjektiv in jede Ausrüstung? Sicher nicht. Wer aber das finanzielle Polster hat, ein Objektiv zu kaufen, das dann nur für spezielle Aufgaben geeignet ist, sollte es tun. Besonders die Vollformat-Fischaugen lassen sich in der Landschaft, in Inenräumen (nicht nur in engen Zimmern, sondern auch in großen Kirchenschiffen oder Schlössern) und in engen Altstadtgassen mit Gewinn einsetzen. Apropos "finanzielles Polster" - Objektive unterliegen im Grunde keiner Alterung. Eben deshalb sind gebrauchte Fisheye-Objektive immer einen Blick wert!


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