jugendlich
coloriertes Schwarzweißbild
im November 2008

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Wie alles anfing...

Mein Name ist Peter Wieden, und ich möchte berichten, wie das Fisheye zu meinem Hobby wurde.

Als Kind hatte ich eine 6x9-Boxkamera, dann eine aufklappbare 6x9-Balgenkamera. Die Boxkamera zerlegte ich, um Linsen für Bastelzwecke zu sammeln. Mein Vater brachte mir das Entwickeln und Abzüge machen bei. Ich sammelte Prospekte von Kameras und Objektiven. Wenn ich mal Geld verdienen würde, wollte ich mir auf alle Fälle eine Spiegelreflex-Ausrüstung zulegen.

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In der 8. Klasse musste ich ins Krankenhaus. Meine Eltern brachten mir die NBI (Neue Berliner Illustrierte - eine Wochenend-Zeitschrift in der DDR) zum Lesen mit. In einer NBI entdeckte ich Fisheyeaufnahmen, die ersten, die ich im Leben sah, und vielleicht auch die ersten in einer DDR-Zeitschrift. Die Zeitschrift habe ich aufgehoben, eingescannt und bearbeitet.

Die braun-grauen Farben zeigen den heutigen (2002) Zustand. Kurzzeitig sind die korrigierten Farben zu sehen, wie sie möglicherweise damals aussahen. Bitte auf das Bild oder auf den Text im Bild klicken, um eine größere Darstellung zu sehen.


Ich war von den ungewöhnlichen Bildern so beeindruckt, dass ich an die NBI-Redaktion einen Brief schrieb. Und ich bekam Antwort auf meine Fragen. EinFoto und einSchnittbild des verwendeten Fisheyeobjektives lagen bei.

Wie es weiterging...

Gern hätte ich ein Fisheyeobjektiv gehabt, aber ich konnte mir lange Zeit noch nicht mal eine Spiegelreflexkamera leisten.

Während meines Studiums an der TH (jetzt TU) Ilmenau wurde mein Hobby Fotografie von dem Hobby Elektronikbasteln fast verdrängt. Nebenbei baute ich mit 2 Billig-Fotoapparaten und einem Doppeldrahtauslöser eine Stereokamera und machte Stereodias. Zu meiner Studienrichtung Gerätetechnik gehörte auch das Fach "Technische Optik". Die Spezialisierungsrichtung "Optik" (viele Absolventen gingen nach Carl-Zeiss Jena, Nachfolger=Jenoptik?) wählte ich jedoch nicht, da ich schon eine andere berufliche Perspektive hatte. Das Schnittbild des Fisheyeobjektives, das ich von der NBI hatte, wurde vermessen (Bild rechts). Vielleicht kann man so ein Objektiv bauen?
Foto von 2002: Die Planfläche hatte ich mattgeläppt und geschwärzt (Farbe ist für dieses Foto entfernt). Anfangs waren alle Flächen durchsichtig, wodurch auch eine Sammellinsenwirkung und einige Reflektionen mehr zu sehen waren.
War es während oder nach meinem Studium: Ich lies mir in Berlin aus der Glassorte BK7 die Frontlinse für ein Fisheyeobjektiv anfertigen. So eine Linse hatten die Mitarbeiter der Firma noch nicht gesehen. Sie sagten UFO dazu. Die Linse kostete etwa 100,- Mark. Die Frontlinse stand somit fest und die nächsten Linsen mussten sich danach richten.
Spion: So wurden die Linsen gehalten (meist nach unten gerichtet).
Ich kaufte ein für DDR-Verhältnisse sehr teures Buch "Synthese optischer Systeme" von Richter & Haferkorn (87,- Mark). Ich war wohl doch zu optimistisch, mich in die optische Berechnung einarbeiten zu können, zudem ich die Spezialisierung "Optik" während meines Studiums nicht gewählt hatte. Ich gab nicht auf und kaufte bei verschiedenen Optikern Brillengläser mit teilweise extremen Dioptrienzahlen und ließ sie auf einen bestimmten Durchmesser abdrehen. Das war damals nicht teuer. Diese kamen in meine Linsen-Sammlung, um etwas zum Probieren zu haben. Ab und zu nahm ich die UFO-Linse und legte 2 Zerstreuungs-Brillengläser auf die Mulde der UFO-Linse. Mit einer Lupe betrachtete ich das virtuelle Bild. Die Linsen wurden alle mit den Fingern passend zueinander gehalten. Ein Öffnungswinkel über 180° schien erreichbar. Diese Linsenanordnung funktioniert wie ein Türspion, ist aber viel größer.

Als ich endlich Geld verdiente leistete ich mir eine Spiegelreflexkamera "Praktika B 100" mit einem 1.4/50er Objektiv aus dem "An- und Verkauf". Nach dem unmittelbar darauf folgenden Urlaub bemerkte ich, dass Dämmerungsaufnahmen unscharf waren. Es zeigte sich, das der Spiegel falsch justiert war (verschobenes Sucherbild, unscharf auf Film). Jeder normale Mensch würde reklamieren. Ich baute Werkzeuge, zerlegte und justierte die Kamera. Dabei stellte sich heraus, dass das die Entfernungseinstellung am Objektiv auch nicht stimmte. Ich öffnete das Objektiv und bemerkte nach einigen Justierversuchen, dass eine Linse locker war. Mit viel Zeit, die man als Junggeselle hat, bekam ich alles in den Griff.

Die nächste Optik war ein Tele 2.8/135. Mit einem Tele ist man ein meist anomymer Beobachter und löst ein schönes Detail aus der Umgebung heraus. Nach längerer Zeit konnte ich mir dann ein stärkeres Weitwinkel, ein Praktikar 2.8/20 leisten. Mit dem Weitwinkel erfasst man mit dem Objekt zusammen die Umgebung und man ist nicht mehr anonym im Abseits, sondern selber mittendrin (Die Leute mit einer Zoom-Sucherkamera müssen erst weglaufen, um alles auf's Bild zu bekommen...). Ich setzte meine Weitwinkel-Optik gerne ein.

In der Zeitschrift "Bild und Ton" wurden Optiken für verschiedene Zwecke disskutiert. Dort erfuhr ich, dass es verschiedene Projektionstypen gibt - sogar mit Angabe der Abbildungsfunktion. Das inspirierte mich, selbst zu rechnen und eine Funktion zu suchen, die keine Verzerrungen der Form hinreichend kleiner Objekte hervorrufen. Die Funktion, die ich fand, war im Artikel nicht enthalten. Ich war begeistert.

Hurra, ich habe das verzerrungsfreie Fisheye erfunden ...?

Die mit Buntstift-gemalten A3-Bilder, hier mit meinem Programm "Fototransformation" neu erstellt. Ein Klick ins Bild führt in eine 3D-Darstellung (VRML-Plugin erforderlich). Es gibt ein Menü für Ansichten (Orte und Brennweiten).
Na ja, die Funktion wird schon irgenwo bekannt sein (winkeltreu = stereografisch), wurde aber bei Fisheyes nicht angewendet, wie mir später klar wurde. Um die Verbesserung zu den anderen Projektionstypen festzustellen, musste ich alle möglichen Verzerrungsarten vergleichen. Das war der Anstoss, dass ich mir die Fisheyes rein mathematisch vornahm und analysierte. Eine praktische Untersuchung war nicht möglich, da man in der DDR auf normalem Wege kein Fisheye bekam (Es wurden Fisheyes in der Sowjetunion produziert). Folgende Verzerrungen fand und untersuchte ich: Deformation im Kleinen, Maßstabsunterschiede an verschiedenen Bildstellen und Krümmung gerader Linien (Deformation im Großen). Um die Auswirkungen zu sehen (siehe nebenstehendes Bild), musste ich mir ein synthetisches Objekt ausdenken. Ein "Zylindertunnel" hat, wenn man in der Mitte steht, Kreise und gerade Linien. Die Bildpunkte wurden mit einem Taschenrechner berechnet und Millimeter-Bruchteile genau mit einer Stecknadel in Papier gestochen, dann mit Bleistift verbunden und mit Buntstiften ausgemalt. Zum Rechnen erstellt ich einen Tastendruck-Ablaufplan.

1987 entwickelte ich eine neue Elektronik für die Praktika B100 und baute sie ein
1] Ersatz des CdS-Fotowiderstandes durch eine Si-Fotodiode SP105 mit Filter, Analogrechenschaltung simuliert Blendenpoti-Fotowiderstand-Kombination
2] zusätzlich: Speichertaste zum Halten der gemessenen Zeit
3] zusätzliche Betriebsart manuelle Zeiteinstellung über DIN-Einsteller
4] zusätzlicher Kontakt im Blitzschuh für Blitz am Belichtungsende {Start Verschlussvorhang 2}.
Weitere Umbauten vor- und nachher:
- Betätigungshebel und Mechanik für probeweises Abblenden auf Arbeitsblende eingebaut
- Daumengriff an Rückwand und Vorsprung vorn rechts für besseres Festhalten angebaut
- Fenster für Blick auf Filmpatrone eingebaut

Eigenbau-Fisheye

Eigenbau-Optik

Für unsere dreijährige Tochter wurde ein Zimmer eingerichtet. Decke und Wände sollten so bemalt werden, als wenn man sich draußen befände. Die unteren Wandbereiche sollten grün werden und die oberen Wandbereiche und die Decke hellblau. Sonne und Wolken sind noch einfach zu malen. Aber kompliziertere Details sollten vom Dia projiziert werden, um sie nachzumalen. Doch leider war der Projektionsbereich im Verhältnis zu Wand viel zu klein.

1991: selbstgebautes Projektions-Fisheye (2005 mit Pro/E nachkonstruiert) Bildkreis ohne Zusatzlinse Ø55(max.) und Ø47(180°).
Ich erinnerte mich an die UFO-Linse und baute mit einfachsten Mitteln eine Fisheye-Optik, die ich in den Diaprojektor einsetzen konnte. Dabei kam es mir hauptsächlich auf einen großen Projektionswinkel an und weniger auf eine Fisheye-Abbildungsfunktion. Zu der Zeit besaß ich noch kein Fisheye und hatte somit keine Fisheye-Aufnahmen. Meine Neugierde war riesig, so dass ich mir erst einmal viele Dias ansah, um die Wirkung zu testen.

Das Bild füllte fast die ganze Wand aus und war sehr dunkel (damaliger Projektor: 50W - ohne Lüfter). Das Bild wurde zu den Rändern immer schlechter bis hin zur Unkenntlichkeit (Färbränder und Unschärfe). Zum Nachzeichnen würde es aber ausreichen. Trotzdem waren die Bilder sehr beeindruckend. Während man bei einer konventionellen Projektion durch den rechteckigen Rand wie durch ein Fenster vom Motiv getrennt ist, nimmt man bei der Fisheye-Projektion die Bildgrenzen kaum noch war, und man scheint sich in der Bildumgebung zu befinden. Wer die Faszination einer Fisheye-Projektion erleben will, sollte mal in ein IMAX-Kino gehen (nicht IMAX-3D, sondern IMAX-Dome-Filme [= Kuppelprojektion] ansehen).
Die riesige Bildgröße hatte den erstaunlichen Effekt, dass sogar meine 20mm-Weitwinkel-Aufnahmen eine leichte Telewirkung bekamen (Tiefe verkürzt).

Die drei folgenden Bilder zeigen das 1991 fertiggestellte Kinderzimmer und den damals verwendeten Projektor. Ein Diarahmen (Diagonale 41mm) ermöglicht einen Öffnungswinkel von 150°. Die einsetzbare Zusatzlinse (damals ohne) vergrößert das Projektionsbild noch weiter, so dass der maximal mögliche Öffnungswinkel erreicht wird.
Folgende Details wurden projiziert:
Wald (am Bett), Mühle, Vogel, Haus
Objektivführung bis 85mm vor Filmebene. Schlecht: Optik hängt runter. Diaprojektor PENTACON H50 mit Fisheye
1991 hatte ich den Projektionsvorgang nicht fotografiert. Darum habe ich das nachgeholt (2005, anderes Zimmer, anderer Projektor). Das projizierte Dia ist diesmal eine Fisheye(2.8/15)-Aufnahme und die drei Bilder des Vorganges (darunter) sind ebenfalls Fisheye-Aufnahmen (umgerechnet auf winkeltreu):
Projektion mit Originalobjektiv 2,8/85, Abstand zur Wand 1,1 m Projektion mit Fisheye ohne Zusatzlinse auf die gleiche Wand, Abstand 1,1 m. Die Breite der Wand reicht nicht. Das größere Bild hellt den Raum mehr auf. Diaprojektor LEICA P150 mit Fisheye.
Objektivführung bis ca. 103mm vor Filmebene. Optik hängt etwas herunter. Eine exakte Höhenausrichtung sollte durch konstruktive Maßnahmen erreicht werden, besonders dann, wenn der maximale Öffnungswinkel mit einer Zusatzlinse erreicht wird.
Böse Falle: Das Diamagazin schiebt die Optik raus. Abhilfe: 40er-statt 100er-Magazine verwenden!
Zum Fotografieren war diese Optik völlig ungenügend und ich habe es auch nie probiert. Ein Bau eines Bajonettes, eine Blende und die Entfernungseinstellung sind bastelmäßig auch nicht machbar.

Kauf-Optik

Meine 1987 umgebauten Praktica hatte leider keine Blitzautomatik. Dies hatte ich nicht vorgesehen, weil es über meine Möglichkeiten gegangen wäre. Der Umbau mit der Entwicklung dauerten ohnehin schon fast ein Jahr. Nach der Wende stieg ich deshalb auf die Canon EOS 10 um. Die EOS-Reihe (EOS=Elekto-Optisches System) fand ich am fortschrittlichsten und ich müsste nie wieder eine Kamera umbauen, weil es irgendwelche Einschränkungen gibt. Natürlich ist eine EOS auch nicht umbaubar und ich hatte auch nie mehr das Bedürfnis danach.

Für die EOS kaufte ich mir eine Tele-Schiebe-Zoom 3.5-4.5/50-200. Für Weitwinkelaufnahmen benutzte ich vorrübergehend noch meinen alte Praktica. Da ich mit einem Fisheye liebäugelte, kaufte ich für die EOS kein Weitwinkel. Die Anschaffung des Fisheyes musste aber noch warten. Der Nachteil dieser Lösung war, dass die Bilder der EOS und der Praktika in die richtige zeitliche Reihenfolge gemischt werden mussten. Nur war dies Reihenfolge nicht mehr genau bekannt, wenn endlich wieder ein Film voll war (Es mussten die Bilder der anderen Kamera dazwischen, aber deren Film war noch nicht voll).

1992 entdeckte ich zufällig in Hildesheim ein Canon-Fisheye 2.8/15 als Gebrauchtoptik für den halben Preis. Damit war die Zwei-Kamera-Fotografiererei endlich vorbei. Dieses Fisheye war für viele Jahre mein einziges Weitwinkel. Da ich lieber Weitwinkelaufnahmen mache, waren meine meisten Bilder Fisheye-Aufnahmen.

Ich habe mich an die krummen Linien gewöhnt, so dass ich auch keine Probleme mit der Art dieser Abbildung habe. Aber die flächentreue Abbildung mit ihrer Quetschung am Bildrand störte mich schon (nur meine Frau freute sich, weil sie schlanker aussah). Da kein Hersteller eine andere Abbildungart produziert, nur weil ich es so möchte, habe ich ein Programm entwickelt, dass die Abbildungsarten umrechnen kann und auch meine gewünschte winkeltreue Abbildung realisiert.

Digitale Fotografie

Viele Leute fotografierten bereits mit digitalen Kompaktkameras und gaben mir oft die Bilddateien. Die Bildwiedergabe am Monitor oder Röhrenfernseher konnte nicht mit der Diaprojektion konkurrieren. Die Digital-SLR's wurden besser, aber kein Beamer schaffte die Auflösung und Farbigkeit der Diaprojektion. Der Diafilm wurde nach der Abholung gleich geschnitten, gerahmt und ohne Aussortierung der Reihe nach magaziniert. Die Dias und konnten allen Anwesenden gleichzeitig in beindruckender Größe gezeigt werden. Eine Ausbelichtung digitalen Bilder auf Diafilm war gegenüber der Diafotografie um ein Vielfaches teuerer und auch nur in Beamer- oder Monitorauflösung möglich und konnte sich so nicht durchsetzen. Die Kameraauflösung könnte höchsten bei Ausdruck auf Plakatgröße in einem Copy-Shop ausgenutzt werden, aber Papierbilder sind nicht mein Ding.

Somit habe ich Kauf einer Digital-SLR sehr lange herausgezögert. Der Crop-Faktor der infrage kommenden Kameras erforderten gleichzeitig ein neues Fisheye mit kürzerer Brennweite. Beides gleichzeitig zu kaufen war finanziell nicht drin. Ich kaufte zuerst das Fisheye Sigma 8mm/4, machte mit meiner analogen SLR einige Testaufnahmen. Die Optik legte ich dann beiseite. Etwa ein halbes Jahr später konnte auf meiner neuen Arbeitsstelle die Kamera Canon EOS 300D dienstlich benutzen. Ich habe mein Sigma 8mm/4 Fisheye zur Arbeit mitgenommen und ausprobiert. Aus dem Vignettierring baute ich eine Stummelblende zum Schutz der Frontlinse und aus einem Wasserflaschenboden einen Frontdeckel. Nun bestellte ich (im Jahr 2005) die gerade neue herauskommende Canon EOS 350D.

Um die Unmengen der Fisheyebilder von oval nach rechteckig, bzw. von flächentreu nach winkeltreu umzurechnen, entwickelte ich den Fisheye Worker. Bei den digitalen Bildern fielen mir die starken Farbränder des Sigma 8mm/4 Fisheye auf. Um das auszukorrigieren, enstand später noch der Fisheye Worker Chrome.

... wird evt. fortgesetzt!


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